Blasentang (Fucus vesiculosus)

EN: Bladder Wrack NL: Blaaswier DK: Blæretang
Kurzbeschreibung Flache braungrüne Wedel mit Mittelrippe, paarige Gasblasen
Fundhäufigkeit 8 Fundmeldungen , Verbreitungskarte
Verbreitung
Nordhalbkugel, Kanaren bis Nordkap, Nordsee und gesamte Ostsee Die Verbreitung erstreckt sich über die Küstenregionen des Nordatlantiks von Nordeuropa, der Ost- und Nordsee bis zu den Kanarischen Inseln und Marokko; im Mittelmeer fehlend. In Nordamerika von Kanada bis in die Karibik, wurde sogar an der Küste Brasiliens gefunden. Im Pazifik stellenweise an der Westküste der USA. In der Nordsee (Deutsche Bucht) gibt es große Bestände an der felsigen Küste Helgolands. Im Wattenmeer, wo Steine und Felsen fehlen, vor allem auf künstlichen Uferbefestigungen.
Status
heimisch Der einheimische Blasentang wurde schon 1753 von Carl von Linné beschrieben, vorkommend an den europäischen Küsten, speziell Englands, Spaniens und dem Gebiet des heutigen Portugals. Die ersten Nachweise von Fucus vesiculosus an der deutschen Ostseeküste reichen bis in das 19. Jahrhundert zurück. Sie stammen aus der Kieler-, der Mecklenburger-Bucht, Warnemünde und Stralsund.
Größe und Alter
Normalerweise sind die Vegetationskörper (Thalli) 10 - 30 cm lang, können aber auch Längen von bis zu einem Meter erreichen. Breite der Wedel: 0,5 - 2 cm. Im Frühjahr bildet der Blasentang neue Gasblasen, das Alter der Alge entspricht also der Zahl der blasenfreien Abschnitte. Die mikroskopisch kleinen, wenige µm großen, Schwärmerzellen, entstanden aus den befruchteten Zellen, stellen das Jugendstadium der Alge dar.
Aussehen
Braunalge mit Blasenpaaren, Endblasen ohne Hautsaum Großalge, olivgrün bis braun, im getrockneten Zustand braun-schwarz. Abgeflachter, gabelig verzweigter Thallus (Algenkörper), wenige Zentimeter breit, durchzogen von einer Mittelrippe. Besonders an den, in regelmäßigen Abständen vorkommenden, bohnenförmigen, gasgefüllten Blasen zu erkennen, die beiderseits der Mittelrippe paarig angeordnet sind und nur in den Gabelungen einzeln stehen. Sie verleihen der Alge Auftrieb im Wasser. Der Blasentang besitzt ein Haftorgan (Rhizoid), um sich an Hartsubstraten, wie Steinen und Felsen, fest zu halten. Am Ende der blattähnlichen Wedel (Phylloid) sind im Sommer keulige Verdickungen mit pustelig, warziger Oberfläche und glibberigem Inhalt zu finden, den Fortpflanzungsorganen der Alge.
Nahrung
assimiliert Mineralsalze und Spurenelemente aus dem Wasser, benötigt Licht für Photosynthese Da Algen keine Wurzeln besitzen, assimilieren sie Mineralsalze und Spurenelemente aus dem Wasser über ein Konzentrationsgefälle direkt in das Innere. Durch diesen osmotischen Prozess „ernähren“ sich die Algen. Außerdem betreiben sie zur Energiegewinnung Photosynthese und produzieren dabei Sauerstoff, sie benötigen für ihr Wachstum also auch ausreichend Licht.
Feinde
Fressfeinde: Strandschnecken, Flohkrebse, Meerasseln Der Blasentang hat im Wattenmeer kaum Fressfeinde. Nur Strandschnecken und Flohkrebse knabbern gelegentlich an seinen Wedeln. In der Mecklenburger Bucht (südliche Ostseeküste) wurden Versuchspflanzen allerdings von Meerasseln der Gattung Idotea bis auf die Mittelrippe abgefressen. Idotea ist in der Lage unter Sommerbedingungen bis zu max. 30 mg Frischmasse Fucus pro Individuum und Tag zu fressen, was erklärt, dass die Pflanzen, innerhalb einer kurzen Zeit „vernichtet“ wurden. Dieses Phänomen wurde zum Beispiel auch in Finnland beobachtet.
Jahreszyklus
Fortpflanzungszeit: September bis Mai Die Hauptreifezeit reicht von September bis Mai. Im Juni und Juli bilden sich die pusteligen Verdickungen des Vorjahres zurück und an den Enden der Wedel entstehen neue Fruchtkörper (Receptacula).
Nutzung
Pharma- und Lebensmittelindustrie, als auch seit jeher in der Kräuterheilkunde und Homöopathie Zusammen mit anderen Algenarten dient der Blasentang der industriellen Gewinnung von Alginsäuren und Alginaten. Aufgrund des hohen Jodgehaltes des Tangs findet er in der Pharmazie Verwendung. Die aus ihm gewonnenen Arzneien regulieren die Funktionen der Schilddrüse, so werden sie angewendet bei Kropf- und Basedowscher Krankheit, außerdem bei Fettleibigkeit und ihren Folgeerscheinungen. Allerdings kann der Blasentang hohe Schadstoffkonzentrationen aufweisen, da er als sesshafter Küstenbewohner nicht nur Mineralsalze, sondern auch sämtliche toxische Substanzen, die ins Meerwasser gelangen, in seinen Wedeln anreichert. Aus diesem Grund ist er auch hervorragend als Indikatororganismus für die Messung von Eutrophierung und Schadstoffbelastung geeignet.
Hätten Sie gedacht, dass...
… dass der Blasentang seit jeher als ein Mittel gegen Fettleibigkeit eingesetzt wird? In einem Rezept heißt es: „Zum Tee bei Fettsucht nimmt man 1 Teelöffel getrockneten und geschnittenen Blasentang mit 2 Glas Wasser zum heißen Aufguss als Tagesmenge.“
  • ... die Gasblasen alljährlich im Frühjahr gebildet werden, so dass die Zahl blasenfreier Abschnitte das Alter der Pflanze verrät?
  • ... der Blasentang extrem formvariabel ist und z.B. auf brandungsumtosten Klippen klein und blasenlos wächst?
  • ... auf den Klippen Helgolands noch zwei ähnliche Arten leben, nämlich der Spiraltang (an der Flutlinie) und der Sägetang (an der Ebblinie)?
  • ... der Blasentang im Wattenmeer kaum Fressfeinde hat? Nur Strandschnecken und Flohkrebse knabbern gelegentlich an seinem „Laub“.
  • ... jede Blasentang-Pflanze entweder weiblich oder männlich ist? Männliche Pflanzen geben von September bis Mai alle 14 Tage eine orange Samenflüssigkeit aus den Poren der Fruchtkörper ab - allerdings meist unter Wasser bei Flut.
  • ... es eine kleine pelzige Braunalge gibt, die nur auf dem Laub von Blasen-, Säge- und Spiraltang lebt?
  • ... eine ganze Miesmuschelbank im Lauf einiger Jahre von einem einzigen Exemplar des Blasentanges überwuchert werden kann?
Quellen Schutzstation Wattenmeer: Blasentang, Pflanze des Monats, November, 1997. http://eol.org/pages/893114/details WWF: Blasentang, Hintergrundinformation, Juli, 2007. Sven Rohde, Claas Hiebenthal, Martin Wahl, Rolf Karez & Kai Bischof (2008): Decreased depth distribution of Fucus vesiculosus (Phaeophyceae) in the Western Baltic: effects of light deficiency and epibionts of growth and photosynthesis, European Journal of Phycology, 43:2, 143-150
Steckbriefbild:
Blasentang

Bildinformationen: Blasentang

Autoren Rainer Borcherding
Lizenzbesitzer Schutzstation Wattenmeer
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Lizenz cc-by-nc 3.0
Weitere Bilder
Hätten Sie gedacht, dass....
... dass der Blasentang große Bedeutung als Lebensraum für andere Meeresbewohner besitzt? Ein einziger Blasentang beherbergt bis zu 300 Muscheln, Flohkrebse, Schnecken, Würmer, Krabben, Seepocken und Blättermoostierchen.